Sandegg


Sandegg; N. Hug, um 1830
Sandegg; N. Hug, um 1830

Die Burg Sandegg auf dem markanten Geländesporn hoch über Mannenbach scheint eine der ältesten Burganlagen im Thurgau zu sein, wenn nicht die älteste überhaupt.



Sintlaz, ein "hochedler lantvogt der kron Frankrichs"

In der Zeit nach 700 bewohnte der fränkische Landvogt Sintlaz die Burg Sandegg; ihm gehörte u.a. auch die heutige Insel Reichenau.

Sintlaz schenkte Bischof Pirmin diese Insel, damit dieser darauf mit seinen 40 Mönchen das Kloster gründen konnte; dies geschah im Auftrag des obersten fränkischen Verwalters, des Hausmaiers Karl Martell, welcher 724 in Joppilla auch die Schenkungsurkunde ausstellte.

 

Darin wurden neben den Dörfern des nördlichen Unterseeufers auch Ermatingen der Reichenau zugeteilt, das damit das erste urkundlich erwähnte Dorf im Thurgau wurde.

 

In der ersten Zeit wurde die Insel Sintlazau genannt, erst später kam der Name "Richen Ow" resp. die "Reiche Au" auf.

Über Jahrhunderte blieb die Burg nun im Besitz des Klosters Reichenau und diente den Äbten als Wohn- oder Erholungssitz sowie als Verhandlungsstätte.

Ausschnitt aus einem Gemälde im Kloster Mittelzell aus dem Jahr 1624
Ausschnitt aus einem Gemälde im Kloster Mittelzell aus dem Jahr 1624

Dieses Gemälde zeigt, wie der Landvogt Sintlaz Bischof Pirmin von der Sandegg aus (ganz oben rechts) über den Untersee auf die Reichenau übersetzt. Alles Ungetier, "ohnmenschliche eggsen und wurmen" werfen sich in den Gnadensee und fliehen nach Allensbach.


Sandegg 1654; Radierung von K. Merian
Sandegg 1654; Radierung von K. Merian

Vernachlässigt und baufällig

Urkundlich nachgewiesen ist das Schloss Sandegg erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts als Wohnsitz der Äbte von Reichenau.

Um 1350 musste das verarmte Kloster die Sandegg aber verpfänden; es folgte eine Zeit mit zahlreichen Inhaberwechseln. Dabei lag es in Händen von regionalen Adeligen, meist aber von Konstanzer Patrizierfamilien wie den Muntprat.

 

Im 16. Jahrhundert zeigte sich das Schloss in einem baufälligen und verwahrlosten Zustand - fortwährend wurde gestritten, ob die Reichenau als Lehensherrin oder der Lehensinhaber für die Reparaturen und Unterhalt aufzukommen hat.

Streitereien wie heute: wer zahlt's, der Mieter oder der Vermieter?

 

1603 liess zwar der Reichenauer Dietrich Erkenbrecht die dringendsten Renovationsarbeiten vornehmen und den eingefallenen Turm restaurieren, aber erst der Konstanzer Domherr Johann Kröll setzte alles wieder so instand, dass es wie ein "adelich Haus" stolz über den Untersee strahlte.

Der einzige noch erhaltene Fund aus Sandegg: diese Tür aus dem Jahre 1627. Sie ist heute im Historischen Museum Frauenfeld und dient dort als Eingangstür zur Schatzkammer. Foto: D. Steiner
Der einzige noch erhaltene Fund aus Sandegg: diese Tür aus dem Jahre 1627. Sie ist heute im Historischen Museum Frauenfeld und dient dort als Eingangstür zur Schatzkammer. Foto: D. Steiner

die Sandegg - das Neüw, also die Neue um 1750 - nach V. Meiss; wobei aber nicht klar ist, welcher Umbau damit gemeint war
die Sandegg - das Neüw, also die Neue um 1750 - nach V. Meiss; wobei aber nicht klar ist, welcher Umbau damit gemeint war
Ofenkachel aus dem Kloster Muri
Ofenkachel aus dem Kloster Muri

1671 kam die Sandegg an die Jesuiten aus Konstanz, 1693 dann an das Kloster Muri im Kanton Aargau, das die Sandegg von Klingenberg aus verwaltete.

Eingangstor zum Schloss Sandegg mit dem Wappen des Klosters Muri - L. Leinen
Eingangstor zum Schloss Sandegg mit dem Wappen des Klosters Muri - L. Leinen

1807 erwarb es der Landwirt Johann Eigenmann aus Homburg: den Gutsbetrieb behielt er selbst, das Schloss veräusserte er an die Konstanzer Gebrüder Delisle.

die "Alte Sandeck" 1817 - A. Vinolli, nach einer Skizze von E. Delisle
die "Alte Sandeck" 1817 - A. Vinolli, nach einer Skizze von E. Delisle

Das erste, was diese auf Sandegg vollbrachten, war den Turm einreissen:

Sandegg 1818, G. Engelmann
Sandegg 1818, G. Engelmann
Sandegg 1832 - Gersbach
Sandegg 1832 - Gersbach

Louise Cochelet
Louise Cochelet

 

Jetzt kommt der Bezug zur napoleonischen Familie:

1817 hatte ja Königin Hortense den Arenenberg erworben. Ihre engste Vertraute und Kammerdienerin war Louise Cochelet, welche das nahe liegende Schloss Sandegg für sich erstand.

 

Zwei Jahre später verkaufte Johann Eigenmann den Gutsbetrieb an Eugène de Beauharnais, den Bruder von Königin Hortense. In nur zwei Jahren liess dieser in unmittelbarer Nähe der Sandegg das heutige Schloss Eugensberg erbauen.


Und nun schoss Amor seine Pfeile an den Untersee, denn der Besitzer der Fremdenpension Wolfsberg, Charles Parquin (ehemaliger "Haudegen" in der Grande Armée Napoleons und Mitinitiant des historischen Napoleonturms) verliebte sich in Louise Cochelet und heiratete sie 1822.

 

Plötzlich fand er sich nun nicht nur im Besitze einer netten Ehefrau wieder, sondern auch noch von drei kostspieligen Schlössern: Wolfsberg, Salenstein und eben Sandegg.

Finanziell liess sich das aber nicht mehr tragen (die Frau wahrscheinlich schon, aber die Schlösser nicht): Salenstein liess er halb abbrechen, um Unterhaltskosten zu sparen, und die Sandegg verkaufte er an den Zürcher Bankier Konrad Hottinger.

 

Charles Parquin
Charles Parquin

Sandegg 1834; Gouache von M. Schmidt
Sandegg 1834; Gouache von M. Schmidt

Dieser unterzog es bald einer eingehenden Renovation. Allerdings engagierte er einen übereifrigen Maler für den Schlussanstrich, der die nassen Farben allzu schnell trocknen wollte und den Holzofen so stark einheizte, dass dieser am 3. September 1833 Feuer fing, das Schloss vollständig niederbrannte und der Maler selbst in den Flammen ums Leben kam.

Das Schloss wurde nie mehr aufgebaut - leider. 

Der damalige Besitzer des Schlosses Eugensberg, Heinrich von Kiesow, kaufte ein Jahr nach dem Brand die Ruine und liess sie abtragen. Hippolyt Saurer errichtete später an deren Stelle eine Aussichtsplattform.

 

Diese darf seit 2004 aber nicht mehr betreten werden, da der darunterliegende Gewölbekeller einzustürzen droht.

die Aussichtsterrasse 2004 - Foto: Amt für Archäologie TG
die Aussichtsterrasse 2004 - Foto: Amt für Archäologie TG

Vom Louisenberg auf die Sandegg soll der Tunnel also geführt haben - oder führt er das heute noch?
Vom Louisenberg auf die Sandegg soll der Tunnel also geführt haben - oder führt er das heute noch?

Ach ja, vielleicht das noch:

Ein geheimnisumwitterter, heute eingebrochener Tunnel soll wenigstens teilweise erhalten sein. Er soll von der Sandegg steil hinunter zur gut 750 m entfernten Kapelle des heutigen Schlosses Louisenberg geführt haben.

aus "Eugensberg. Ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte"
aus "Eugensberg. Ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte"

Wenn ich das nur als abenteuer- und unternehmungslustiger 14-Jähriger schon gewusst hätte! Dann wären die schulfreien Mittwochnachmittage nicht so langweilig gewesen...

Ist das wohl der Eingang...?
Ist das wohl der Eingang...?
... nein, er führt nur in den ehemaligen Eiskeller, schade.
... nein, er führt nur in den ehemaligen Eiskeller, schade.


Sanierungsarbeiten am Gewölbekeller durch das AATG

die Grundmauern heute
die Grundmauern heute
die Anlage ist abgesperrt
die Anlage ist abgesperrt

Ein Teil des Gewölbekellers ist eingefallen und abgestürzt; die Anlage wird vom Amt für Archäologie nun saniert. Während der Bauzeit ist der Zugang abgesperrt.

die Überreste der Burgruine werden saniert
die Überreste der Burgruine werden saniert
der Eingang zum Gewölbekeller
der Eingang zum Gewölbekeller
Plan der Anlage des Amtes für Archäologie TG
Plan der Anlage des Amtes für Archäologie TG
Download
Informationen des Amtes für Archäologie TG über den Zustand der Burgruine Sandegg und deren Sanierung
Sanierung Sandegg - Info AATG.pdf
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