Schloss Altenklingen


Die Altenburg, die älteste in Stein gebaute Burg im Thurgau

Die Wurzeln der Herren von Klingen sind sehr wahrscheinlich auf der Altenburg bei Märstetten zu suchen, die im 8. oder 9. Jahrhundert erbaut worden ist.

Standort der Altenburg, rund 600 m vom heutigen Schloss Altenklingen entfernt

 

Besuchen Sie diese neu restaurierte Ruine beim nächsten Sonntagsspaziergang!


Rekonstruktionsbild der Burganlage um 1200.

Amt für Archäologie TG.

 

Ausschnitt aus der Infotafel bei der Ruine

Die Infotafel des Amtes für Archäologie TG bei der Burgruine:

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Infotafel Altenburg
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A. Hasenfratz vom Amt für Archäologie TG beschreibt die Burg im Detail:

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Die Altenburg bei Märstetten
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A. Hasenfratz
Amt für Archäologie TG
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die Altenburg bei Märstetten.pdf
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Die Wiborada von Klingen

Ungarische Kämpfer töten Wiborada in ihrer Zelle
Ungarische Kämpfer töten Wiborada in ihrer Zelle

Die erste namentlich erwähnte von Klingen war Wiborada von Klingen, eine Inklusin (eine in einer Zelle eingeschlossene Nonne) in St. Gallen.

Sie wurde beim Einfall der Ungarn 926 getötet, konnte aber zuvor aufgrund einer Vision den Abt veranlassen, die berühmte Bibliothek ins Kloster Reichenau in Sicherheit zu bringen.

Hinter dem Schloss Altenklingen steht die Wiborada-Kapelle zum Gedenken an diese selbstlose Frau
Hinter dem Schloss Altenklingen steht die Wiborada-Kapelle zum Gedenken an diese selbstlose Frau

Darstellung von Wiboradas Tod von C. Sailer; Stiftsbibliothek St. Gallen
Darstellung von Wiboradas Tod von C. Sailer; Stiftsbibliothek St. Gallen

Wiborada hatte sich in eine Zelle an der Seitenmauer der heutigen Kirche St. Mangen in St. Gallen einmauern lassen. Ihre Zelle wies drei kleine Fenster auf: eines in die Kirche mit Sicht auf den Altar, eines im Dach mit Sicht zum Himmel und eines in der Zellenwand, durch das sie mit Besuchern sprechen konnte.

Der Name Wiborada kommt von "Wiber-Rat"; sie hatte oft göttliche Visionen und scheint eine Ratgeberin ähnlich wie später Bruder Klaus gewesen zu sein.

Wiborada war denn auch die erste Frau, die vom Papst heilig gesprochen wurde. Sie ist heute die Schutzpatronin der Bücher und Bibliotheken.


Das kleine Fensterchen von der Zelle durch die Kirchenmauer ist heute noch erhalten. Daneben steht die Inschrift:

So die Unger komend, allein Wibrat,

die closnerin bei S. Mangen kirchen

dorst nit auss irem gemach.

Darum si der Ungern warten muost und

von denselben erschlagen ward im 926. jar.

Vadian

 

Dagmar Schifferli hat das Leben der Wiborada in Romanform detailreich und spannend beschrieben.

Bestellen Sie es zum Beispiel hier.



Altenklingen, Stammsitz der Freiherren von Klingen

Um 1200 bauten die von Klingen am heutigen Standort des Schlosses Altenklingen ein neues Stammschloss, nur 600m von der Altenburg entfernt, auf der anderen Seite der Kemme:


 

Schon bald aber teilte sich das bedeutende und einflussreiche Freiherrengeschlecht der Klingen im Dienste der Habsburger in zwei Zweige, in die Altenklingen und die Hohenklingen:

Die alten Klingen oder eben Altenklingen mit dem weissen Löwen im Wappen blieben auf dem Stammschloss; sie legten sich diesen Namen zur Unterscheidung von den andern Geschlechtern zu.

 

Der letzte Vertreter dieser Linie, Walter von Altenklingen, war österreichischer Landvogt im Thurgau.

Er starb 1394.

Die Hohenklingen bauten die berühmte Burganlage über Stein am Rhein und eine bei Rheinklingen.

Walter von Hohenklingen liess der Sage nach um 1330 die Kapelle Klingenzell "Mariahilf"  errichten, nachdem er auf der Jagd nach einem Fehlschuss auf einen Keiler in Lebensgefahr geraten war.

Da ist die heutige Jagd doch irgendwie langweiliger geworden: Ich habe noch nie einen Thurgauer Jäger beim Ansitzen verzweifelt schreien hören: "Maria, hilf !!!"

Ulrich II. von Klingen gründete die Stadt Klingnau im Kanton Aargau, sein Sohn Walter das Kloster Feldbach bei Steckborn und das Kloster in Sion.

 

Walter von Klingen (u.a. Stifter des Klosters Klingental im Schwarzwald) war einer der berühmtesten Minnesänger des Mittelalters.

Codex Maness, Wiki Commons
Codex Maness, Wiki Commons

Er scheint es aber nicht nur mit seiner Laute, sondern auch zu hoch zu Ross den holden Damen angetan zu haben! 



Sempach schwächt die von Klingen

Etliche adlige Vertreter des Geschlechts kamen in der Schlacht von Sempach 1386 ums Leben (die Thurgauer waren auf Österreicher Seite von Herzog Leopold ja die grossen Geschlagenen), so dass nach dem Tode Walters von Altenklingen das Geschlecht ausstarb resp. in den Habsburger Linien aufging.

Schlacht von Sempach, nach Karl Jauslin 1889; Wiki Commons
Schlacht von Sempach, nach Karl Jauslin 1889; Wiki Commons

Auf dieser Darstellung der Schlacht von Sempach sucht man die weissen Löwen vergeblich, vielleicht haben sie in der zweiten Reihe gekämpft...

1395 kamen Burg und Herrschaft an die Geschwister von Bussnang, später an Wilhelm III. von Enne.

Unter ihm trotzte die Burg 1407 zwei Wochen lang dem Ansturm der Appenzeller.

 

Weitere Besitzer waren ab 1419 das Konstanzer Patriziergeschlecht der Muntprat (sie besassen etliche Landsitze im Thurgau), ab 1439 die von Breitenlandenberg und später Eberhard Brümsi.



Tabula rasa durch Leonard Zollikofer 1586

Der  Junker, Kaufmann und "Sekelmeister" der Stadt St. Gallen, Leonard Zollikofer (die Familie stammte ursprünglich aus Konstanz und ist im Leinen-Fernhandel nach Frankreich reich geworden) erwarb das Schloss 1585 für 25'500 Gulden.

Es muss in einem desolaten Zustand gewesen sein: "... bin hoch verwundert, das es ein sollich al zerbrochen haus. Nimpt mich wunder wie die Brümbsy allda haben können haushalten."

Jahrgangszahl über dem Tor
Jahrgangszahl über dem Tor

So liess Zollikofer die Anlage vollständig abtragen und die heute noch bestehende Schlossanlage von 200 Arbeitern in nur elf Wochen auf den alten Grundmauern wieder aufbauen.

Kupferstich von David Herrliberger 1754
Kupferstich von David Herrliberger 1754


Die gute Nase von Fidelis, Leonards Hund

Dieses Bild gibt's gleich zweimal im Schloss
Dieses Bild gibt's gleich zweimal im Schloss

"Als Merkwürdigkeit bewahrt die Familie Zollikofer in Altenklingen ein Bild Leonhards mit seinem Hunde, der mehrere Tage nach der Abreise seines Herrn losgekommen war, bis Paris seine Spur verfolgte und endlich in dem Vorzimmer des Königs den geliebten Herrn wiederfand".

(J.A. Pupikofer, der Kanton Thurgau, 1837)

 

Diese Geschichte des Hundes Fidelis sei "im Fall würkli wohr", versichert ein Mitglied des Familienrates der Zollikofer. Der Hund habe vom König ein kostbares Halsband als Belohnung bekommen, und in der Folge habe Leonard seinen Hund immer gleich auf seine Reisen mitgenommen.

 



Diese Schlossanlage besteht seit 400 Jahren nahezu unverändert:

Zur Zeit der eidgenössischen Herrschaft wurde hier (und in Weinfelden) alle zwei Jahre dem neuen Landvogt gehuldigt.


Blick aus dem Belvédère auf den Belvédère

Das Schloss Altenklingen war vom historischen Napoleonturm Belvédère aus gut zu sehen, wie diese Lithographie zeigt - und umgekehrt natürlich auch.

Das nördliche Eckzimmer im obersten Stock des Schlosses trägt denn auch den Namen "Belvédère".

 

Heute sieht man den neuen Turm allerdings nicht mehr, eine knorrige Eiche steht vor dem Fenster.

Schon etwas enttäuschend, wir schauen dann nächsten Winter nochmals, wenn die Blätter abgefallen sind...

Blick aus dem Fenster des Zimmers Belvédère Richtung Napoleonturm
Blick aus dem Fenster des Zimmers Belvédère Richtung Napoleonturm


Die niedere Gerichtsbarkeit

1585 wurde Leonhard von den acht Alten Orten ein Landsässenbrief erteilt, wonach Altenklingen sämtliche Freiheiten und Rechte des adligen Standes im Thurgau und damit die Zugehörigkeit zum Gerichtsherrenstand im Thurgau erhielt, u. a. die niedere Gerichtsbarkeit über Märstetten, Wigoltingen und Illhart.

"alle unzuchten, als spicketen, schiebeten, zäche, wetten, spillen, schiessen, zutrinken, sontagsbrüch, übersitzen, beschimpffen gemeiner leüthen" ...

... fielen beispielsweise als Vergehen gegen Sitte und Moral in die Zuständigkeit dieser niederen Gerichtsbarkeit.

Sie umfasste aber auch den gesamten Bereich der Zivil- und Bussgerichtsbarkeit bei Holz-, Obst- oder Rebbergfrevel sowie Zwing und Bann, das heisst das Recht, Gebote und Verbote zu erlassen. Dazu kamen die Steuerhoheit und notarielle Aufgaben.

Monogramm der Gerichtsherrschaft Altenklingen
Monogramm der Gerichtsherrschaft Altenklingen
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Aufgaben der Gerichte
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Lesen Sie das Beispiel von Hans Knus, der es wiederholt nicht lassen konnte, solchen Forellen in der Kemme verbotenerweise nachzustellen:

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Hans Knus fischte in der Kemme.pdf
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(In der Ortsgeschichte von Wäldi finden Sie verschiedene Offnungen, eine Art Dorf-Gesetzgebungen, in denen konkrete Bussen oder Strafen für bestimmte Vergehen und "Frevel" aufgeführt sind).


Die hohe Gerichtsbarkeit

Vergehen, die "ans Blut" gingen, fielen aber unter die hohe Gerichtsbarkeit, die der Landvogt in Frauenfeld ausübte. Hier ein Beispiel:

Barbara Egli ab dem Gonzenbach hatte ihrem Meister Franz Liebe zuerst etwas Geld entwendet, wurde dann von Josua Liebe, dem Sohne desselben, schwanger, erwürgte ihr neugeborenes Töchterchen und warf es den Schweinen vor.

Wie hätte denn Sie in dieser Angelegenheit entschieden?

 

Lesen Sie das Urteil nebenan.

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Wohltätigkeit von vielen Zollikofers

Zwar gibt es auch explizit andere Beispiele wie Johann Dietrich Zollikofer vom Schloss Castell in Tägerwilen, doch ist auffallend oft von grosser Wohltätigkeit der Zollikofers zu lesen:

 

- Stiftung von Freischulen (ohne Schulgeld, also auch für ärmere Kinder), zum Beispiel in Hattenhausen und Engwilen

- Armenspeisung während der Hungersnot 1816/17, zum Beispiel in Ermatingen

- finanzielle Unterstützung der Wigoltinger nach dem "Wigoltinger Handel"

- finanzielle und moralische Unterstützung verfolgter Protestanten in Frankreich, selbst noch auf den Galeeren.



Illustre Figuren unter den Zollikofer

Heute zählt der Stamm der Familie Zollikofer über 90 männliche Nachkommen.

Unter ihren Vorfahren gab es illustre Figuren: Prediger, Bürgermeister, Offiziere, Direktoren, Ärzte und Handwerker, aber auch Spione oder Glücksspieler.

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Weltmänner unter den Zollikofer
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Bis heute im Besitz der Familienstiftung Zollikofer


Für die Einhaltung dieses eingravierten Gedenkspruchs haben die Zollikofers durch die Errichtung einer Familienstiftung gesorgt. Die Schlossanlage ist bis heute in ihrem Besitz und wird sorgfältig gepflegt und erhalten.


Schlossführung

Das Schloss Altenklingen kann im Rahmen einer Führung von privaten Gruppen oder Schulklassen auf Anfrage beim Präsidenten des Familienrates besichtigt werden.

Nehmen Sie dazu Kontakt auf mit dem Schlosswart-Ehepaar Schwarz black-picture@bluewin.ch oder Frau Martina Zollikofer martina@zollikofer.li.



Die Altenburg besuchen

Besuchen Sie diese frisch restaurierte Ruine der Altenburg mit Ihrer Klasse.

 

Lassen Sie sie zum Beispiel mit diesen Beobachtungsaufgaben erforschen:

 

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Aufgabenblatt - auf der Burg Altenburg.d
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Eine Schlossführung durch Altenklingen erleben

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