Am Fusse des Turms steht eine Infotafel mit den wichtigsten Informationen zum historischen Turm "Belvédère" und zu Louis Napoleon und Charles Parquin, den beiden Initianten.
Sie wissen ja jetzt, dass es vier „Napleons“ gab.
Der grösste und berühmteste war Napoleon I. Bonaparte, der um 1800 abgesehen von England fast ganz Europa eroberte - 1798 auch die Schweiz. Im Vorfeld der drohenden „liberté, égalité, fraternité“ war kurz zuvor der Thurgau unter Paul Reinhart noch unabhängig geworden, von den Eidgenossen übrigens...
Im eroberten Europa setzte Napoleon seine vier Brüder als stellvertretende Könige ein: Louis, Lucien, Joseph und Jérôme.
Napoleon hatte sich mit Joséphine Beauharnais verheiratet. Sie war Witwe und hatte ihren Gatten in der französischen Revolution verloren. Joséphine brachte zwei Kinder mit in die Ehe: eine Tochter Hortense und einen Sohn Eugène. Napoleon I. war also ihr Stiefvater und adoptierte die beiden Kinder später.
Leider wurde Joséphine nicht mehr schwanger und konnte Napoleon keinen Thronfolger mehr schenken. So liess sich dieser scheiden und heiratete die Prinzessin Marie-Louise von Österreich, womit er auch noch Österreich in sein Reich einbinden konnte. Mit ihr hatte er einen Sohn, Napoleon II., der aber schwächlich war und jung an Tuberkulose in Wien starb. Heute kennt ihn kaum jemand mehr.
Gegen ihren Willen verheiratete Napoléon seinen Lieblingsbruder Louis mit seiner Stieftochter Hortense (weil Louis bald König von Holland wurde, durfte Hortense den Titel „Königin“ tragen). Die beiden waren aber todunglücklich miteinander, verbrachten total kaum drei Monate zusammen und lebten wenn immer möglich getrennt.
Trotzdem reichte diese Zeit, um drei Söhne zu zeugen: Napoléon Charles, der mit vier Jahren an Diphterie starb, Napoléon Louis, der nach der Scheidung dem Vater zugesprochen wurde, und Louis Napoléon, der bei seiner Mutter Hortense aufwuchs.
1815 verlor Napoleon Bonaparte seine letzte Schlacht gegen die Alliierten (Deutsche, Österreicher und Engländer) bei Waterloo. Er wurde zwar nicht getötet, aber auf die einsame Insel St. Helena mitten im Atlantik verbannt.
Ein Jahr zuvor war Joséphine verstorben und Hortense war sozusagen die «first lady» in Paris. Die Siegermächte blieben ihr gegenüber misstrauisch und verlangten, dass sie Frankreich verlasse und sich ein Exil suche.
So zog sie über Genf und Aix schlussendlich nach Konstanz, wo ihre Cousine Stéphanie ins Grossherzogtum Baden eingeheiratet hatte. Dort kaufte sie sich ein Haus und zwei Landsitze, das Seeheim bei der heutigen Therme und 1817 das kleine Schlösschen Arenenberg.
Die Siegermächte blieben Hortense gegenüber aber weiterhin skeptisch, und so musste sie Baden und damit Konstanz wieder verlassen. Sie zog nach Ausburg in Bayern in die Nähe ihres Bruders Eugène. Dort wurde dann Louis ins Gymnasium geschickt. - Nachher waren sie dann aber in Konstanz nicht mehr willkommen.
Zum Glück hatte sie sich ja zuvor in der neutralen Schweiz den Arenenberg gekauft, wo sie sich ab 1823 niederliess. - Hier verbrachte Louis Napoleon also seine Adoleszenz. Er lernte Schweizerdeutsch und bekam das Salensteiner und das Thurgauer Ehrenbürgerrecht.
In dieser Zeit, als erst 20-Jähriger, veranlasste Louis Napoléon zusammen mit seinem Freund Charles Parquin von der Fremdenpension Wolfsberg den Bau des historischen Napoléonturms «Belvédère».
Hortense's Bruder Eugène war mit der Tochter des Bayrischen Königs verheiratet und wäre nun auch gerne in die Nähe seiner Schwester gezogen. So liess er sich das Schloss Eugensberg bauen, starb aber erst 42-jährig kurz vor dem Einzug an einem Schlaganfall.
Hortense wohnte bis zu ihrem Tod an Krebs 1837 im Schloss Arenenberg.
Als dann Napoléon II. gestorben war, hoffte Louis Napoléon gemäss der Erbfolge auf den Kaiserthron in Frankreich. Das gelang ihm aber erst nach vielen Jahren, nach zwei missglückten Putchversuchen und einer langen Gefängnisstrafe. Er wurde 1848 zum Präsidenten Frankreichs gewählt und nach einem Staatsstreich 1852 zum Kaiser Napoléon III. ausgerufen. - „Der letzte französische Kaiser war Thurgauer Bürger und sprach Thurgauer Dialekt“.
Er heiratete die Spanierin Eugénie de Montijo, mit der er einen Sohn hatte, Napoléon IV. Dieser kam aber jung in einem Kampf in Afrika ums Leben.
1870/71 verlor Napoleon III. den deutsch-französischen Krieg gegen Bismark – zu den Verlierern gehörte auch die Bourbaki-Armee. Napoleon III. wurde nach England verbannt und starb bald darauf an einer Blasensteinoperation.
Eugénie vermachte vor ihrem Tod 1906 das Schloss Arenenberg dem Kanton Thurgau, der dort das heutige Napoleonmuseum und in den Nebengebäuden die Landwirtschaftsschule einrichtete.
Jetzt sind Sie ja "historisch aufdatiert" - also brechen Sie auf zum Turm!
Ach ja, vergessen Sie nicht, einen Feldstecher und ihre Kamera mitzunehmen - oder wenigstens Ihr Handy!
So, und nun geht es also "hoch hinaus": Dieser Turm wartet auf Sie!

Der Aufstieg zum Turm ist gratis. Trotzdem fallen Kosten für Unterhalt und Betrieb an - wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie das Kässeli neben dem Feuerlöscher nicht vergessen, wie das auch Herr Schif empfiehlt:
Sie können das auch bargeldlos mit TWINT machen: Unter diesem Link gelangen Sie zur Zahlungsseite, die Sie auch auf dem PC oder dem Handy ausfüllen können.
Auf der Brüstung ist die Lithografie des Panoramas vom historischen Turm Belvédère aufgezogen.
Allerdings ist die Bestimmung der einzelnen Gipfeln mit den Anfangsbuchstaben nicht immer ganz einfach...
Rund 200 Stufen führen auf den Turm; jede soll nun gleichsam ein Jahrzehnt unserer lokalen Geschichte veranschaulichen. Das heisst, dass Sie beim Abstieg eine Zeitreise durch die letzten 2'000 Jahre begehen.
Auf der jeweils entsprechenden Höhe sind rund 50 interessante Tafeln mit wichtigen Ereignissen oder Entwicklungen aus diesem Jahrzehnt angebracht.
Nehmen Sie sich Zeit und studieren Sie diese Tafeln beim Abstieg - oder dann am PC in Ruhe zuhause: