Das ehemalige Rathaus


das Rathaus noch vor der Renovation von 1884 - das Bild hängt im heutigen (charakterlosen...) Rathaus
das Rathaus noch vor der Renovation von 1884 - das Bild hängt im heutigen (charakterlosen...) Rathaus
  • erste Erwähnung um 1447
  • Neubau gegen Ende des 15. Jahrhunderts
  • beim Überfall auf Ermatingen während des Schwabenkriegs 1499 abgebrannt
  • an gleicher Stelle wieder aufgebaut
  • 1884 Umgestaltung zu einem neugotischen Fachwerkbau
  • und 1914 steht in der Chronik: "Das Rathaus wird aussen frisch gestrichen (Heimatschutzmanier)."
nach der Renovation von 1884 - auch dieses Bild hängt im heutigen Rathaus
nach der Renovation von 1884 - auch dieses Bild hängt im heutigen Rathaus

Das Rathaus war ein "Mehrzweckgebäude" mit Bürgersaal, Verwaltungs- und Materialräumen und sogar einem Arrestlokal.

Zeitweise beherbergte es auch die Sekundarschule und den Handarbeitsunterricht.


Rathaus und Adler 1939. Die "obere Mühle" dazwischen ist bereits abgebrochen.
Rathaus und Adler 1939. Die "obere Mühle" dazwischen ist bereits abgebrochen.
kurz vor dem Abbruch
kurz vor dem Abbruch

Ein Modell dieses ehemaligen Rathauses


Markus Ammann aus Triboltingen hat uns zu den 1300-Jahr-Feierlichkeiten dieses erstaunliche und detailgetreue Modell des ehemaligen Rathauses professionell nachgebaut.

Das hast du fantastisch gemacht, Gratulation und herzlichen Dank!!!

Dieses Modell steht nun im Entrée des neuen Rathauses.

Von der Politik in diesem Rathaus


das vergitterte Fensterchen des Arrestlokals
das vergitterte Fensterchen des Arrestlokals

Wald- und Holzfrevel waren an der Tagesordnung. An den jährlichen Bussgemeinden wurden nicht selten 40 oder mehr Sünder gebüsst. Bei Erwachsenen gab es Geldstrafen oder "Narrenhaus" im Arrestlokal des Rathauses.

 

Frauen und Kinder wurden oft in den Block geschlossen (die "Geige") oder in einen drehbaren Käfig (die "Trülle") gesteckt, der dann oft vor der Kirche aufgestellt wurde.


"Ein Hintersasse konnte keinen Anspruch auf den Bürgernutzen im Wald geltend machen. Er musste sich natürlich unter den Gerichtsstab beugen, durfte kein Vieh auf die Weide treiben, keine liegenden Güter kaufen, keine Weinschenken oder Hantierungen treiben, es sei denn, kein Bürger wolle dies tun. Er verpflichtete sich, seinen Kindern den ordentlichen Kirchgang vorzuschreiben und auf Aufforderung der Gemeinde das Dorf zu räumen.

Hintersassen konnten nur Häuser kaufen, wenn sich keine Bürger als Käufer fand oder die Reichenau vom Vorkaufsrecht nicht Gebrauch machte.

Kaufte eine Hintersasse, so durfte er 1 Jahr, 6 Wochen und 3 Tage keine Veränderungen am Hause vornehmen und musste das Haus anstandslos räumen, wenn doch noch ein Bürger als Käufer fand."

dieses Bild hängt im Gasthaus Hecht
dieses Bild hängt im Gasthaus Hecht

Verwaltung und Beamte


Erwachsene Bürger, die einen eigenen Rauch (also Haushalt) führten, bestimmten die Geschicke des Dorfes. In einem Punkte, der Hebammenwahl, fühlten sich die Männer aber doch etwas befangen und überliessen dieses Geschäft ihren Frauen.

Immer, wenn eine neue Hebamme gewählt werden musste, wurde zur Wiibergmeind geladen.

Damit auch alles in geordneten Bahnen verlief, hielt der Herr Pfarrer den Vorsitz.

Marktrecht und Wochenmarkt


Luftaufnahme 1959; ETH Zürich
Luftaufnahme 1959; ETH Zürich

Das Rathaus war der geografische Mittelpunkt vom historischen Ermatingen (abgesehen vom Staad natürlich).

1660 bekam Ermatingen das Marktrecht. Die Stände für den Wochenmarkt wurden im Rathaus eingelagert. Der Markt dürfte rund ums Rathaus stattgefunden haben.