Wald- und Forstwirtschaft


Vom Napoleonturm aus geniessen Sie eine grandiose Rundumsicht. Was Sie vor allem sehen, ist Wald: den Ermatinger und den Tägerwiler Wald (der Turm selbst steht aber gerade noch auf Gemeindegebiet von Wäldi).

 

Dieser Wald hat verschiedenste Ansprüche und Aufgaben zu erfüllen:



Vielfältige Ansprüche an den Wald: Regionale Waldpläne

In den regionale Waldplänen werden die Ziele der Waldentwicklung, die verschiedenen Waldfunktionen und -aufgaben festgehalten, aber auch die vielfältigen Ansprüche und Erwartungen der Öffentlichkeit koordiniert.

 

 

Das ist der Link zum regionalen Waldplan Kreuzlingen.

 

Das sind unter anderen:

 

Waldeigen-tümer

Gemeinden

Jäger

Holzverarbeiter

Naturschützer

Jogger

Biker

Reiter Spaziergänger

Schulen

Jugendvereine

OL-Läufer

Hundehalter oder die Landwirtschaft

Das ist ein Kartenausschnitt aus unserer Region:

www.forstamt.tg.ch
www.forstamt.tg.ch


Bäume fällen gestern und heute

ein Baum wird nach "alter Schule" gefällt (Foto: Bürgergemeinde Ermatingen)

mit der Kettensäge

mit dem Harvester werden Bäume bis etwa 40 cm Durchmesser "geerntet"



Der Bürgerwald als Kapitalreserve

Quelle: Die folgenden Informationen beziehen sich auf den Tägerwiler Bürgerwald und entstammen dem empfehlenswerten Buch "Tägerwilen. Ein Thurgauer Dorf im Wandel der Zeit" von P. Giger, E. König und M. Surber.

 

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Holzanteile als Schuppisrechte - aber nur für Tägerwiler Bürger

Eine Schuppis war ein kleinerer Bauernhof. Ihm standen - falls er von Tägerwiler Bürgern bewirtschaftet wurde - ein gewisser Anteil der jährlichen Holznutzung im Bürgerwald zu.

 

Ein typisches Schuppisrecht umfasste jährlich einen Wagen Stangenholz, fünf Klafter (15 Ster) Brennholz und bei Bauvorhaben 12 Eichen.

 

Der Bürgerwald bildete denn auch den Reichtum und die Kapitalreserve der Gemeinde.

 

Manche Schuppissen haben diesen Namen noch lange getragen:

 

Der Wald war aber kein Selbstbedienungsladen.

Lesen Sie hier Genaueres über die Waldnutzung:

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Schuppisrechte und Waldnutzung im Bürgerwald Tägerwilen
Schuppisrechte im Bürgerwald Tägerwilen.
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Waldfrevler ins Arrestlokal

Argwöhnisch und misstrauisch wurde die strickte Einhaltung der Nutzungsvorschriften im Wald überwacht. Einem der zwei Förster stand zeitweise nur die Aufgabe zu, die Waldnutzung zu überwachen. Fehlbare wurden ins "Frevlerbüchlein" eingetragen; für Unbelehrbare richtete man sogar ein Arrestlokal ein.

 

Das ist ein Ausschnitt einer Waldkarte von 1794; es umfasst das Waldstück östlich der heutigen Kreuzstrasse:

 

aus der Legende:

- Laub Waldung

- Dan u. Fohren Waldung

- Heuwachs

- Ackerfehld ...

 

Ausschnitt aus der Karte "Gerichtsgrenzen Wäldemer Lehen 1794"; Staatsarchiv TG; Slg 1, K/P 1830


Es fällt auf, mit wie vielen Waldwiesen (Heuwachs) der Wald durchsetzt war.


Mittelwald und Hochwald

Der historische Napoleonturm über dem niedrigen Buschwald - es war Mittelwald zur Brennholznutzung.

Der historische Napoleonturm in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts war nur 21 m hoch (halb so hoch wie der heutige) - und doch überragte er den Wald bei weitem.

Der heutige Wald ist zum Vergleich etwa 30 m hoch.

 

Dieser extrem niedrige Wald war so genannter Mittelwald: Er bestand aus einer Hauschicht, die der Produktion von Brennholz diente und sich je nach Baumart zwischen 10 - 30 Jahren aus Stockausschlägen erneuerte. Die wichtigsten Baumarten waren Hagebuche, Esche und Erle.

Informieren Sie sich hier genauer über Mittel- und Hochwald, über die Waldpflege und die Arbeiten im Wald:

 

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Mittelwald und Hochwald
-
Mittelwald und Hochwald.pdf
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"Auf dem Seerücken sind die Waldungen aus Laubholz zusammengesetzt, nämlich aus Buchen, Hagebuchen, Eichen, Erlen, Ahorn, Eschen, Birken, wilden Äpfel-, Birn- und Kirschbäumen und einzelnen Rottannen, Weisstannen und Kiefern. Die Laubholzbäume sind daselbst auch häufig zu

Unterholz verstümmelt und mit andern sonst Hecken bildenden Gesträuchen gemischt."

(A. J. Pupikofer, der Kanton Thurgau; 1837)


Bürgerwald heute: Förderung und Nachzucht der Eiche

Um 1930 wurde die Bewirt-schaftungsart des "Mittelwaldes" aufgegeben - welches heute die wichtigsten Grundsätze in der Waldbewirtschaftung sind, lesen Sie hier:

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Bürgerwald heute - E. Tiefenbacher.pdf
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Populationsdynamik: Räuber-Beute-Beziehungen

Dieses Diagramm zeigt, wie sich die Populationen von Mäusen und Füchsen nach einer virtuellen Tollwutbekämpfung entwickeln, wenn fast alle Füchse plötzlich vernichtet werden.

Scrollen Sie einmal etwa nach unten zur Populationsdynamik - das Thema ist wirklich nicht nur für Schüler interessant.

 

Simulieren Sie mit diesem Excel-Programm die gegenseitige Abhängigkeit einer Räuber-Beute-Beziehung, hier zwischen Mäusen und Füchsen.

Greifen Sie ins System ein und beobachten Sie, wie sich die Räuber- und die Beutepopulationen verhalten.

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Simulation Räuber-Beute-Beziehung
-
Simulation Fuchs-Maus-Populationen.xlsx
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Der Wald, ein dynamisch-vernetztes Ökosystem

Wie komplex, vernetzt, dynamisch, anpassungsfähig und plastisch-stabil ein Ökosystem ist, lesen Sie im Dokument rechts - aber auch, weshalb in ökologischen Fragen mancherorts zu schnell rot statt grün gesehen wird.

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Dynamisch-vernetzte und anpassungsfähige Ökosysteme
dynamisch-vernetzte Ökosysteme.pdf
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Artenkenntnis

Begeben Sie sich mit Ihren Schülern in den Wald, um Pflanzen (und Tiere) kennenzulernen:

 

- ein Frühlingsjogging oder eine -velofahrt im März zu den Frühblütlern (noch besser: ein regelmässiges Waldjogging, bei dem wir in den willkommenen Pausen auf Pflanzen und Tiere resp. deren Spuren hinweisen)

 

- entsprechende Such- und Wettbewerbsaufgaben

Diese Übungsmaterialien also erst nach dem Wald zur Vertiefung benützen:

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Frühblütler
Frühblütler.ppt
Microsoft Power Point Präsentation 1.9 MB
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Baumarten
-
Baumarten.doc
Microsoft Word Dokument 359.0 KB
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Übungsblatt dazu
-
Baumarten Übungsblatt.doc
Microsoft Word Dokument 188.5 KB


Waldschulzimmer / Waldlehrpfad

Nutzen Sie die Möglichkeit eines örtlichen Waldlehrpfades resp. eines Waldschulzimmers.

 

(Hier die Kontaktadresse von Ermatingen)



Natur und Technik: abgeschaut und nachgebaut

Hier empfehle ich Ihnen eine ausgezeichnete Broschüre: "Abgeschaut und nachgebaut", herausgegeben vom Botanischen Garten St. Gallen.

Sie motiviert sehr, sich mit den Schülern auf die Suche nach den pflanzlichen Vorbildern zu machen, denen wir die Technik abgeschaut haben - und die Funktionsweise gleich auch noch unter die Lupe zu nehmen!


 

80 Pflanzen aus dem Botanischen Garten und ihre „Erfindungen“

SCHUMACHER, Hanspeter: Bionik – abgeschaut und nachgebaut.

44 Seiten, reich illustriert. St.Gallen 2016.

CHF 5.–.

 

Bestellung hier



Populationsdynamik

Im Wald gibt es viele schulische Möglichkeiten, die wir hier nicht alle aufzeigen können.

Hier aber ein Einstieg in ein Thema aus der Ökologie, das in der Natur nicht immer so einfach zu beobachten ist:

eine Population regelt sich selbst

Ein Güterzug 40'000 Mal um die Erde - voller Stubenfliegen

Wir rechnen vorerst mit den Zahlen der Stubenfliege:

- nach jeder Paarung legt das Weibchen

1000 Eier

- normalerweise gibt es 8 Generationen

pro Jahr

- wie viele Fliegen sind es Ende Jahr?

 

(zur Veranschaulichung: eine Fliege wiegt 0,1 g, füllen Sie sie gedanklich in Güterwagen à 10 t ab; jeder Güterwagen ist 10 m lang. Wie lang wird der Güterzug?)

 

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eine Population regelt sich selbst
eine Population regelt sich selbst.pdf
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Fruchtfliegen / Drosophila

Wir füllen etwas Nährboden in einen Erlenmeyerkolben (zerdrückte Bananen, Früchte). Man kann ihn überall aufstellen: nach kurzer Zeit finden sich die ersten Fruchtfliege (Drosophila) ein.

 

Jetzt verschliessen wir den Erlenmeyerkolben luftdurchlässig mit Watte, halten den Nährboden leicht feucht und beobachten in den nächsten Tagen und Wochen die Zunahme und auch den Zusammenbruch der Population.

(rechnen Sie mit 2- 4 Wochen für diesen Versuch)


Bei Mäusen ist übrigens Herzinfarkt infolge Dichtestress der wichtigste populationsabhängige Regelfaktor.

Auch hier können wir uns die Regelfaktoren leicht vorstellen - und der Vergleich von einigen Dutzend Fruchtfliegen in ihrem beschränkten Lebensraum Erlenmeyerkolben mit sieben Milliarden Menschen auf ihrem beschränkten Planeten liegt auf der Hand.

 

Es ist völlig unverständlich, wie fast alle Wirtschaftsführer und Politiker mit dauerndem Wachstum rechnen - sie sollen einmal ein paar Fruchtfliegen züchten und sich etwas überlegen dabei. Wir leben nicht in einem grenzenlosen Wachstumsmarkt.



Eine Räuber-Beute-Beziehung: Mäuse und Füchse

Wir haben gesehen, dass sich schon eine einzelne Population "selbst regelt": aber wie ist es denn bei zwei voneinander abhängigen Populationen, bei einer Räuber-Beute-Beziehung?

Denken Sie sich vorerst mit diesen Abbildungen in die Thematik ein:

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Räuber-Beute-Beziehungen
Räuber-Beute-Beziehungen.doc
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Eine typische Räuber-Beute-Beziehung; die beiden Populationen sind etwas "verschoben". Bei genauer Betrachtung erkennen wir jeweils die vier Phasen des Dichte-Diagramms.

 

Nun kann man das auch rechnen. Wir simulieren zwei Wühlmaus-Fuchs-Populationen in einem Gebiet, wie es auf der Landwirtschaftsfläche rund um Wäldi sein könnte (auch wenn in der Natur die Beziehungen vielfältiger sind - Mäuse haben auch andere Feinde und Füchse fressen auch andere Nahrung -, so sind die Parameter doch so aufeinander abgestimmt, dass naturnahe Populationsschwankungen entstehen).

 

(Am allerbesten ist es natürlich, wenn Sie sich vorgängig mit Wühlmäusen und Füchsen beschäftigen; zum Beispiel einen Landwirt beim Mausen begleiten oder die drolligen jungen Füchse ab dem 1. Mai vor dem Bau beobachten).

 Laden Sie sich diese Excel-Datei herunter:

 

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Simulation Räuber-Beute-Beziehung
-
Simulation Fuchs-Maus-Populationen.xlsx
Microsoft Excel Tabelle 40.7 KB

Jetzt können Sie ins System eingreifen und beobachten, wie es reagiert: zum Beispiel nach einer Tollwutbekämpfung der Füchse, bei einmaligem oder regelmässigem Mäuse fangen, bei starker oder schwacher Bejagung der Füchse usw.

 

(aber Achtung: jedesmal, wenn Sie manuell eine Zahl eingeben, überschreiben Sie damit eine Formel. Für neue Berechnungen müssen Sie die Änderungen rückgängig machen oder die Datei neu starten).

 

einige Beispiele:


ein natürlicher Verlauf

 

jedes Jahr wurde die Hälfte der Mäuse gefangen (was für ein Aufwand, jährlich fast 10'000 Mäuse!) - die Gesamtpopulation ist aber fast gleich geblieben. Sie schwanken einfach weniger stark.

bei dieser Tollwutbekämpfung im Jahr 5 haben nur 10% der Füchse überlebt

"tüchtige" Jäger lassen jährlich nur 5 Füchse überleben - es entsteht eine dauerhafte Mäuseplage


Wir staunen, wie stabil diese Zweierbeziehung ist; sie ist buchstäblich fast nicht tot zu kriegen, auch nach Extremereignissen nicht (ausser sie geben eine 0 ein, aber das geschieht in der Natur so nicht) und erholt sich jeweils erstaunlich schnell wieder.


Beispiel: der Beruf des Feldmausers

Jahrhundertelang existierte der Beruf des Feldmausers, der nichts anderes tat, als im Auftrag der Gemeinde Mäuse zu fangen - was seine Arbeit bewirkte, haben Sie vorhin simulieren können (wenn er also in unserm Fall jedes Jahr die Hälfte der Mäuse wegfing (fast 10'000 Mäuse pro Jahr, das gibt eine Menge Arbeit!), wirkte sich das auf die langjährige Gesamtpopulation fast gar nicht aus. Die Populationsschwankungen glichen sich einfach aus und ebneten sich ein.


Anders gesagt: ein fleissiger Feldmauser verschaffte sich jedes Jahr gleichmässig Arbeit und Einkommen.

 

Es gibt auch heute noch Gemeinden, die für jede gefangene Maus (resp. jeden auf der Gemeindekanzlei abgelieferten Mauseschwanz) einen gewissen Betrag bezahlen, vor allem in Zeiten hoher Wühlmauspopulationen.

Da gestalten sich die Familienferien dann plötzlich völlig anders: statt von Berggipfel zu Berggipfel führen die Spaziergänge von Mausefalle zu Mausefalle - und am Ende gibt's ein halbes Vermögen für die Jungmannschaft.

Dass solche Mäuseplagen etwas mit übereifrigen und schiesswütigen Grünröcken zu tun haben könnten, wird wohl mancherorts zu wenig bedacht.