Die 50 Treppentafeln


Gut 200 Treppenstufen führen auf den Napoleonturm; jede soll ein Jahrzehnt unserer lokalen Geschichte darstellen. So durchsteigt der Besucher sozusagen die letzten 2000 Jahre unserer Vergangenheit. Auf der entsprechenden Höhe sind die Tafeln mit wichtigen Ereignissen und Entwicklungen aus unserer Region angebracht:

 

Die einsetzende Digitalisierung, Vernetzung, Globalisierung und dauernde Erreichbarkeit prägen das wirtschaftliche und soziale Leben neu.

 

 

 


Die Orts- und Munizipalgemeinden im Thurgau werden aufgehoben. Die heutigen Politischen Gemeinden entstehen.

So bilden die ehemaligen Ortsgemeinden Engwilen, Sonterswil, Lipperswil und Wäldi die neue Politische Gemeinde Wäldi.

 


Endlich bekommt der Thurgau eine Stimme im Äther...

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... und 1999 auch ein Gesicht, genau genommen mehrere!

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Als eines der letzten europäischen Länder gewähren die Schweizer Männer ihren Frauen das Stimm- und Wahlrecht.

Durch Bundesgerichtsentscheid wird erst 1990 auch noch in Appenzell Innerrhoden das kantonale Frauenstimmrecht eingeführt.

 


Der technische Fortschritt hält nicht nur in Stall und Scheune, sondern auch im Haushalt Einzug.

Das wissen die Hausfrauen zu schätzen!

Da fragt sich nur, für wen das ein Drama gewesen sein soll...

 


Im Zweiten Weltkrieg wird ein "Festungsgürtel" um Kreuzlingen gelegt, mit dem Ziel, einen deutschen Vorstoss über Konstanz zu erschweren.

 

 

 


Die Technik erleichtert den Landwirten die Arbeit immer mehr, nicht nur mit der Melkmaschine, dem Traktor und dem Ladewagen.

Die Mechanisierung bringt der Landwirtschaft einen entscheidenden Produktionszuwachs.

 

 


Nun kann man sich also über unvorstellbar grosse Distanzen mündlich verständigen – anfangs muss das "Telefonfräulein" in der Zentrale die richtigen Kontakte noch miteinander verstöpseln.

 

 


Während des Ersten Weltkrieges, von dem die Schweiz militärisch nicht betroffen ist, führen der Aktivdienst, eine Wirtschaftskrise und eine Lebensmittelknappheit zu grosser Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die im "allgemeinen Landesstreik" gipfelt.

 


Die drei neuen Eisenbahnlinien (Thurtallinie, Seetallinie und Mittelthurgaubahn) bringen eine entscheidende Verbesserung in der Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln.

 

 

 


Die "Elektrische Kraftversorgung Bodensee-Thurtal" beginnt mit der Elektrifizierung der Gemeinden und der Haushalte.

Heute strebt der Thurgau einen Strommix ohne Kernenergie sowie die 2000 Watt-Gesellschaft an.

 


Tilisit (russ. "Sowetsk") liegt bei Kaliningrad in Russland nahe der litauischen Grenze.

Holländische, österreichische und Schweizer Auswanderer haben dort die Käserezeptur verfeinert; Otto Wartmann und Hans Wegmüller bringen das Rezept in den TG.

 


"O Land, das der Thurstrom sich windend durchfliesst ..." – die Thur fliesst nach ihrer Korrektur innerhalb der neuen Hochwasserdämme schnurgerade durch das Thurtal. Heute wird die Thur vielerorts wieder kostspielig renaturiert.

 


Im Zuge der Industrialisierung steigt die Nachfage nach Investitionskapital; es wächst der Wunsch nach einem eigenen kantonalen Kreditinstitut. Dieses bekommt seinen Sitz in Weinfelden und betreibt heute 29 Filialen.

 

 


Von nun an setzt die Landwirtschaft vermehrt auf Viehzucht und damit auf Milchwirtschaft, die den Getreide- und Obstbau ergänzt.

Aus dem Kanton Bern wandern viele Landwirte und Käser ein.

 

 


"O Thurgau, du Heimat, wie bist du so schön..."

Das Thurgauer Lied ist die offizielle Hymne des Kantons. Sie wird an jeder 1. August-Feier gesungen und muss nach Beschluss des Kantonsrates in der Schule eingeübt werden, Hitparade hin oder her.

 


1848 wird Louis Napoleon zum Präsidenten der Französischen Repubik gewählt, vier Jahre später auch zum Kaiser ernannt.

Jetzt ist der Neffe von Napoleon I. am Ziel seiner Träume.

-> Louis Napoleon

 


Die neue Bundesverfassung bildet die Grundlage der heutigen modernen Schweiz.

Diese Bundesverfassung darf auch heute noch nur durch Volksbeschluss abgeändert werden.

 

 

 


Die neue Thurgauer Kantonsverfassung geht massgeblich auf Thomas Bornhauser zurück, einen Pfarrer und Schriftsteller. Er löst eine eigentliche Volksbewegung für eine neue Kantonsverfassung aus und wird Präsident der Verfassungskommission.

 


Nach der Niederlage von Waterloo und die Verbannung Napoleons I. muss auch seine Familie ins Exil: Hortense zieht mit ihrem Sohn Louis Napoleon über Umwege nach Konstanz und kauft von dort aus das Schloss Arenenberg.

1818 lassen sie sich dort nieder.

 


1816 schneit es in jedem Monat, es regnet fast pausenlos: die Ernten verfaulen, und die Ostschweiz erfasst eine nie gekannte Hungersnot.

Grosse Teile der Bevölkerung verarmen, verelenden und verhungern.

 


Die Helvetischen Republik wird dem  "Kantönli-geist" (politisch heisst das "Föderalismus") der Schweizer nicht gerecht.  Napoleon I. vermittelt unter den zerstrittenen Parteien. Mit der Medi-ationsakte schafft er den neuen Staatenbund. Der TG tritt als gleichberechtigter Kanton bei.

 


Die Franzosen marschieren ohne grossen Widerstand in die Eidgenossenschaft ein – das erste und einzige Mal wird die Schweiz von einer fremden Armee erobert. Die Schweiz wird zu einem zentralistisch verwalteten Einheitsstaat, der "Helvetischen Republik".

 


Die Kirchgemeinde Wäldi ist in eine nördliche (zu Ermatingen gehörende) und eine südliche (zu Wigoltingen gehörende) Hälfte geteilt.

Mit dem Bau ihrer neuen Kirche löst sich das Dorf von Wigoltingen ab und bildet eine eigene reformierte Kirchgemeinde.

 


Rund 40 Wohnhäuser für die Arbeiter der aufstrebenden Leinenmanufaktur lässt Gonzenbach entgegen der damals gängigen Zunftordnung bauen – was in der Ostschweizer Industriegeschichte einmalig ist und grosses Aufsehen erregt.

 


Während der konfessionellen Spannungen kommt es zum erwähnten Gemetzel.

In Gedenken an diesen "Wigoltinger Handel" wird am Pfingstsonntag der Gottesdienst in Wigoltingen nicht ausgeläutet.

 

 


Im Rahmen des Dreissigjährigen Krieges 1618-48 kämpft das protestantische Württemberg zusammen mit Schweden gegen die katholischen Österreicher – unter anderem auch auf dem Bodensee. Dabei gibt es allerdings keinen eindeutigen Sieger.

 


Verschiedene Pestzüge, die seit dem 14. bis ins 17. Jhdt. alle 10 - 20 Jahre auftreten, raffen immer wieder einen Drittel oder gar die Hälfte der Bevölkerung dahin. Dann dämmt eine bessere Hygiene die Verbreitung des Erregers durch Rattenflöhe zunehmend ein.

 


Die Reformatoren fordern, dass alle Leute die Bibel selbst lesen können: 1530 wird an einer Synode beschlossen, im Thurgau Schulen einzurichten.

Diese stehen unter kirchlicher Aufsicht und finden anfangs im Pfarrhaus statt.

 


Unter dem Einfluss Zwinglis breitet sich im Thurgau die Reformation aus.

Während zwei Jahrhunderten streiten sich die beiden Konfessionen; erst ab 1712 gelten für beide die gleichen Rechte.

 

 


Der erste dokumentierte Kaiserschnitt  durch Johann Jakob Nufer aus Siegershausen gehört zu den dramatischen Kapiteln der Medizin.

So soll ja schon Julius Cäsar zur Welt gekommen sein – daher der Name "Kaiserschnitt".


Die "Schlacht bei Schwaderloh" findet im Rahmen des Schwabenkrieges (die Deutschen sagen Schweizerkrieg) statt.

Nach Kriegsende bekommenen die Eidgenossen die Landgerichtsbarkeit über den Thurgau, verlieren aber definitiv die Stadt Konstanz.

 


Die Eidgenossen wünschen sich den Rhein als nördliche Grenze und erobern den Thurgau fast kampflos. Einzig das Landgericht bleibt noch bis 1499 bei Konstanz.

Die sieben Alten Orte stellen im Zweijahres-Rhythmus den Landvogt in Frauenfeld.

 


Das Konzil von Konstanz bereinigt die unhaltbare Situation mit drei gleichzeitig regierenden Päpsten.

Die 6'000-Seelen-Stadt Konstanz beherbergt vier Jahre lang 20'000 Gäste, eine logistische Meisterleistung!

 


Nach dem Aussterben der Kyburger kommt der Thurgau unter die Oberherrschaft der Habsburger. – Allerdings muss man sich die damalige Thurgauer Karte als  bunten Flicken-teppich von kleinen weltlichen Fürstentümern und klösterlichen Gerichtsbarkeiten vorstellen.

 


Der weite Kirchgang nach Wigoltingen wird den Lipperswilern zu lang: 1209 bauen sie sich eine eigene Kirche.

Sie gehört vorest noch weiter zu Wigoltingen, löst sich dann aber 1528 im Zug der Reformation ab.

 

 


Die wenigen bisherigen Vornamen werden nun zunehmend durch Familiennamen unter-schieden. Diese weisen oft auf die Herkunft oder den Beruf hin (Gunterswiler; Müller...).

Ein Jahrhundert später bilden sich auch Doppel-Vornamen wie "Hanspeter".

 


Kaiser Heinrich VI. befreit Konstanz von der Besteuerung durch den Bischof.

Das wird die Geburtsstunde der "Freien Reichsstadt".

Konstanz wird in der Folge eine der wichtigsten Städte Mitteleuropas.

 


Das Herzogtum Schwaben ist Teil des Ostfränkischen Reiches; es umfasst etwa das einstige Herzogtum Alamannien.

Die Kyburger kommen zu umfangreichen Besitzungen und gründen die Stadt Frauenfeld.

 

 


Tja, als sechster Bezirk des Thurgaus hätte sich Zürich noch ganz gut gemacht!

Der ursprüngliche Thurgau war um ein Vielfaches grösser als heute: er reichte vom Bodensee bis zur Schöllenen und vom Säntis bis zur Aare ("Turgi" im heutigen Aargau).

 


Karl der Grosse organisiert und prägt sein europäisches Riesenreich.

Er führt politische Strukturen ein, organisiert das Kirchenwesen und erlässt das Lehenswesen: Bauern sind Pächter des Grundbesitzes und zahlen ihren Herren Grundzinsen.

 


Die Franken müssen ihr Riesenreich organisieren und verwalten: Sie teilen es in Gaue ein.

Viele dieser Gaue tragen ihren Namen noch heute.

 

 

 


724 gründet Pirmin das Kloster Reichenau. Es wird zu einem wichtigen geistlichen Zentrum der Region (neben Konstanz und St. Gallen).

Die Untersee- und Seerückengemeinden liefern als Eigentum des Klosters jahrhundertelang ihre Zehnten ab.

 


Der irische Wanderprediger Gallus kommt an den Bodensee. Er lässt sich im Steinachtal nach einer wundersamen Begegnung mit einem Bären als Einsiedler nieder.

750 gründet Otmar an dieser Stelle das Kloster St. Gallen.

 


Der Bischofssitz  wird von Vindonissa nach Konstanz verlegt. Das neue Bistum umfasst ganz Alamannien.

Dem Bischof obliegen die Verbreitung des Christentums und alle geistlichen Belange in seinem Bistum.

 


Die Franken sind eine Sammlung westgermanischer Stämme.

Unter dem Merowingerkönig Chlodwig I. werden sie eine expandierende Grossmacht.

Die Franken werden zur regierenden Oberschicht über die Alamannen.

 


Im Bodenseeraum haben die Römer den mit Kastellen geschützten Rhein-Iller-Donau-Limes errichtet. Nun müssen sie aber ihre mobilen Legionen zum Schutz ihres Mutterlandes abziehen. Darauf siedeln sich alamannische Stämme in der Deutschschweiz an.

 


Die beiden Stiefsöhne von Kaiser Augustus, Tiberius und Drusus, besiegen während des Alpenfeldzuges die Kelten (bei uns den Stamm der Helvetier) und erobern u.a. den Bodenseeraum.

 

 


Das Eisen als neuer Werkstoff prägt diese Epoche und gibt ihr ihren Namen. – Bei uns siedeln die bereits hoch entwickelten Kelten.

Die Helvetier, ein keltischer Stamm, werden während ihrer Auswanderung bei Bibracte von Cäsar besiegt und müssen zurückkehren.

 


Die "Pfahlbauer" werden sesshaft und siedeln in Dörfern an den Seeufern, aber auch im Hinterland (z. Bsp. Pfyn; Seebachtal).

Anfangs leben sie noch steinzeitlich; ab 2200 v. Chr. kommt die Bronze auf. Eine bronzezeitliche Siedlung befand sich hier auf Hohenrain.

 


Wildbeuter ziehen in der Tundra den Rentierherden hinterher und ernähren sich vom Sammeln und Jagen. Werkzeuge werden aus Stein oder Knochen gefertigt.

In Zelten und Höhlen findet man Schutz vor der Witterung.

 


Nur noch das Hörnli schaut während der Würm-Eiszeit aus den Eismassen hervor, die den ganzen Bodenseeraum bedecken.

Der Rheingletscher formt so das Seebecken, das Thurtal und die Moränen-Landschaften wie der Seerücken.

 


Die Bildung des Säntismassivs als letze Alpenkette soll schon vor 14 Mio. Jahren die Vulkantätigkeit im Hegau ausgelöst haben.

Der Rheingletscher schiebt eine mehrere hundert Meter dicke Aschenschicht während der letzten Eiszeit weg und legt die Vulkankegel frei.

 


 

Zur Veranschaulichung der untersten Treppentafeln dieser ungefähre Vergleich:

Wenn man die ersten Treppentafeln masstäblich im Verhältnis zur Höhe des Turmes (40m entsprechen 2000 Jahren) aufstellen würde, dann stünde eine Tafel "Die Hegau-Vulkane brechen aus" etwa in Bern, in Aarau erlöschen sie dann wieder, in Wäldi befinden wir uns in der letzten Eiszeit, beim Tannenhof beginnt die Steinzeit, in Hohenrain kommen die Pfahlbauer auf, beim Reservoir beginnt die Eisenzeit, und am Fusse des Turms erobern uns die Römer...


Hier können Sie alle 53 Tafeln in verschiedenen Formaten herunterladen:

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