Charles Parquin


Im Sommer 1829 wurde auf Initiative von Charles Parquin, der als Leiter der Fremdenpension Wolfsberg seinen Gästen einen Aussichtsturm bieten wollte, und seines erst 20-jährigen Freundes und Bewunderer Louis Napoleon vom Arenenberg der Aussichtsturm „Belvédère zu Hohenrain“ gebaut.

 


Charles Parquin (1786–1845) war ein französischer Kavallerieoffizier, glühender Bonapartist und nach der Absetzung von Napoleon I. Leiter der ersten Fremdenpension im Kanton Thurgau auf Schloss Wolfsberg in Ermatingen.

 

  • Geburtsdatum: 20. Dezember 1786 in Paris
  • Sterbedatum: 19. Dezember 1845 in der Zitadelle von Doullens (Frankreich)
  • Ehepartnerin: Louise Cochelet (Heirat 1822), die ehemalige Vorleserin und Kammerdienerin von Königin Hortense

Ein stolzer Kavallerieoffizier der Grande Armée


Militärische Karriere (1803–1814)

 

  • Eintritt: Parquin trat 1803 im Alter von 16 Jahren in die französische Armee ein.
  • Einsätze: Er kämpfte als Kavallerieoffizier (Chasseurs à Cheval) in den napoleonischen Kriegen unter anderem bei Jena, Eylau (wo er verwundet wurde) und Wagram.
  • Aufstieg: Er stieg bis zum Truppenführer in der kaiserlichen Garde auf und verblieb nach Napoleons Sturz zunächst im Dienst.

Heldentaten und Eroberungen, nicht nur auf dem Schlachtfeld...


Über seine Zeit im Militär schrieb Parquin später seine Memoiren "Souvenirs de Gloire et d'Amour", die zu den unterhaltsamsten der Soldatenliteratur zählen sollen.

 

Ich lese sonst keine "Soldatenliteratur" - aber dieses Buch (ich hatte es als E-Book heruntergeladen), hat mir doch noch ganz gut gefallen. Parquin schreibt ganz sachlich und feinfühlig vom Leben als Soldat und nicht in einer falschen "Selbst-Herrlichkeit".

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Parquin - souvenirs de gloire et d'amour
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Hier beschreibt er beispielsweise, wie er anlässlich einer Truppenparade bei den Haag vor König Louis und Königin Hortense deren Kammerdienerin Louise Cochelet ein erstes Mal sieht - die später auf Arenenberg seine Frau werden sollte:

Der erwähnte Knabe ist Napoleon Charles, der erste Sohn von Hortense. Er starb mit nur vier Jahren an Diphterie.


Im Exil, erst auf Arenenberg, dann auf Sandegg


Louise Cochelet
Louise Cochelet

Nach der Absetzung von Napoleon und dem Ende des ersten Kaiserreiches floh auch Parquin ins Exil; er suchte die Nähe von Königin Hortense auf Arenenberg.

Bald fand er aber auch die Nähe von Louise Cochelet, die ehemalige Schulfreundin und jetzige Kammerdienerin und Vorleserin von Königin Hortense.

Cochelet residierte damals auf dem Schloss Sandegg, einen Kilometer vom Arenenberg entfernt.


1822 gipfelte diese neuerliche Eroberung in der Heirat mit Louise Cochelet. (Diese Heirat war durchaus im Sinne von Hortense, die schon länger auf eine gute Partie von Louise gehofft hatte und auch etwas erleichtert gewesen sein dürfte, die manchmal allzu schwatzhafte Kammerdienerin losgeworden zu sein...).


Leiter der Fremdenpension Wolfsberg


die Fremdenpension Wolfsberg, links das Parquin-Haus
die Fremdenpension Wolfsberg, links das Parquin-Haus

Hortense bekam so zahlreichen Besuch auf Arenenberg, dass sie dort nicht alle Gäste aufnehmen konnte. Viele Besucher logierten in Konstanz oder im Adler in Ermatingen, doch das reichte immer noch nicht aus.

Auf Bitte von Hortense kaufte Parquin 1824 den Wolfsberg und baute ihn zu einer mit allem Komfort ausgestatteten Fremdenpension aus, mit "Bädern, Stallungen, Remisen, Pferden, Caleschen, Schiffen, Jagden, Fischentzen, Journalen, Billards, Gärten und Spaziergängen" - und bald auch einem Aussichtsturm.

das Parquinhaus heute
das Parquinhaus heute

Initiant des ehemaligen Aussichtsturms "Belvédère"


So dachte Parquin also an einen schönen Aussichtsturm für seine Gäste.

 

Zusammen mit Louis Napoleon gründete er eine Aktiengesellschaft. Der 21 m hohe Turm wurde geplant, die Finanzen (in den umliegenden französischen Schlössern) gesammelt und 1829 vom Zimmermeister Peter aus Egelshofen für 650 Gulden erbaut.

 

Auf der Urkunde der Brandversicherung wurde der Turm als  "Lustgebäude" aufgeführt, mit einer Tanzfläche, einem Restaurant und auf der obersten Plattform einem Fernrohr.

Sein Name "Belvédère" heisst ja "schöne Aussicht".

In der nahen Umgebung wurde dieser Turm oft "Parquins Belvédère" oder auch "Parquin-Turm" genannt.

Ausgerechnet die beiden Turmgründer als erfolglose Putschisten...


Erster Putschversuch in Strasbourg

Inzwischen drängte sein Arenenberger Compagnon in Frankreich wieder an die Macht; 1836 versuchte er es mit einem kläglich gescheiterten Putschversuch bei der dortigen Garnison in Strasbourg.

Natürlich war der Haudegen Parquin an seiner Seite mit von der Partie...

der Putschversuch in Strassburg
der Putschversuch in Strassburg

Louis Napoleon wurde nach diesem Putsch ins Exil nach Amerika gewiesen; 1837 kehrte er aber unerlaubterweise wieder zu seiner sterbenden Mutter Hortense auf den Arenenberg zurück, was zu einer Staatskrise mit Frankreich ("Prinzenhandel") führte und bei einem Haar einen Krieg ausgelöste hätte.

Im letzten Augenblick verliess Louis Napoleon auf dringenden Rat seiner Vertrauten  (Dufour, Kern, Wessenberg) die Schweiz dann doch wieder "freiwillig" und zog nach England.



Parquin war zu dieser Zeit hoch verschuldet. Zuvor hatte er sich schon mit dem Kauf der beiden Schlösser Sandegg und dem baufälligen Salenstein (das er halb abbrechen liess, um Reparaturarbeiten zu sparen) finanziell übernommen.

Nach dem Tod von Hortense blieben dann auch die französischen Gäste auf Wolfsberg aus - 1839 kam es zum Konkurs.


Zweiter Putschversuch in Boulogne-sur-Mer

zweiter misslungener Putschversuch bei Boulogne-sur-Mer
zweiter misslungener Putschversuch bei Boulogne-sur-Mer

Von England aus versuchte Louis Napoleon 1840 einen zweiten Putsch nach einer Überfahrt über den Ärmelkanal bei Boulogne-sur-Mer - und wer war wohl abermals an seiner Seite, wer...?

 

Auch dieser Putschversuch ging kläglich in die Hosen.

Beide wurden zu lebenslänglicher Haft verurteilt, Louis Napoleon in Ham, Charles Parquin in Doullens.


Lebenslange Sicht an die Zellmauer


Während es Louis Napoleon nach 7 Jahren Haft gelang, als verkleideter Bauarbeiter aus seinem Gefängnis zu fliehen, sass Parquin seine Festungshaft in einer Zelle in Doullens ab. Krank und verbittert starb er dort nach fünf Jahren.

Nur noch die Sicht auf dunkle Gefängnismauern... bitter für einen Erbauer eines Turms mit einer solchen Aussicht!

Der Wolfsberg unter Parquin


Hier alles noch im Detail: Lesen Sie diesen Artikel des ehemaligen Schlossverwalters Jakob Hugentobler: 

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Wolfsberg unter Parquin - J. Hugentobler
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