Wiiber Gmeind


Erwachsene Bürger, die einen eigenen Rauch führten, bestimmten die Geschicke des Dorfes. In einem Punkte, der Hebammenwahl, fühlten sich die Männer aber doch etwas befangen und überliessen dieses Geschäft ihren Frauen.

Immer, wenn eine neue Hebamme gewählt werden musste, wurde zur Wiibergmeind geladen. Zum Trunk erhielten sie nicht den eigenen, aber immerhin wohlfeilen Tirolerwein ausgeschenkt.

 

Damit auch alles in geordneten Bahnen verlief, hielt der Herr Pfarrer den Vorsitz.

"Zu wüssen sey hier durch, dass mit Frau Elisabetha Tobler, Hebamme in Ermatingen, ein Accord getroffen, die Dorothea Germann, eine unserer Bürgerinnen, die Hebammenkunst und dazu gehörige Wissenschaft zu lehren als:

verspricht Frau Elisabetha Tobler der Dorothea Germann nicht nur alle diejenigen Handgriffe, so zur Kunst notwendig sind, in aller Treu und Aufrichtigkeit zu zeigen, sondern selbige auch zu lehren. Ein guter Schlag und Mutterwasser zu machen und ihr all diejenigen Kräuter und derselben Gebrauch und Nutzen zu erkennen und zu lehren, welche der einen oder anderen Zufälligkeit nützlich und dienlich sei. Dabei soll sie so lang als Gott ihr, der Lehrfrau, das Leben beschert, den freien Zugang haben, selbige in notwendigen Sachen um Rat zu fragen und in aller Ufrichtigheit ihr dienen, raten und an die Hand gehen."

 

Die Unterveisung der Hebamme von 1335 fand in einem Nebenzimmer der Gemeindewirtsschaft statt. Bezirksarzt Gremmli stellte eine Rechnung für diesen Unterricht. Dem Wirt wurde eine Entschädigung für das Zeitversäumnis gesprochen. Der Hebamme wurde eine neue Geburtsschere gekauft. Sattler Kunz wurde beauftragt, den Geburtsstuhl neu zu polstern (die Geburt auf dem Gebärstuhl war früher die gebräuchliche). Der Drechsler reparierte das Hebegeschirr.

Vom Leben und Sterben


Im letzten Jahrhundert kannte immer nur Hausgeburten. Jede Gemeinde hatte ihre eigene Hebamme. Sie zählte zu den Gemeindeangestellten und bezog ein Wartgeld von 7 fl Jahr.

In Triboltingen wurden bis zu 10 Kinder im Jahr geboren. Im Vergleich zum Nachtwächter, der 16 fl pro Jahr bekam, verdiente die Hebamme recht gut.

 

Die Kindersterblichkeit war sehr hoch. Etwa die Hälfte der Kinder starb im ersten Lebensjahr. Nebst vielen Totgeburten raffte das Kindbettfieber viele Gebärende dahin.

Die Taufe der Kinder wurde kurz nach der Geburt vorgenommen. Im Sterberegister heisst es manchmal: "Ist noch zur Tauf gekommen." - Die Hebamme war schon früheren Zeiten berechtigt, die Nottaufe vorzunehmen. 

Richtigerweise hätte ich bei der Beschreibung des Lebens bei den Hochzeitsbräuchen beginnen müssen. Auf diese wurde früher streng geachtet.

Die Eltern unehelicher Kinder wurden bestraft. Wenn der Vater nicht bekannt war, geschah es nicht selten, dass die Tochter in eine Arbeitserziehungsanstalt gesteckt wurde. Wollte ein Bürger eine fremde Braut heiraten, so durfte er dies nur, wenn sie ein Vermögen von 100 Gulden besass.

 

Mit der Einwilligung des Dorfes konnte dann durch ein Werber zur Hochzeit geladen werden. Der Hochzeiteinlader hatte dabei eine nach strengem Muster ablaufende Ansprache zu halten. Glücklicherweise ist eine solche aus dem Jahre 1729 von A. Ribi erhalten:

"Ehrenfester, vorgeachter, grossgütiger und hochgeehrter Herre,

wir haben an ihn eine freundliche Werbung zu tun. Mit demütiger Bitt, er werde solche willig und gern von uns annehmen. Es hat sich, als des Stifters des heiligen Ehestandes ein eheliches Versprechen zugetragen. Weil nun gedachte Ehrenpersonen gesindt, ihr Versprechen Gott künftigen Donnerstag (allgemeiner Hochzeitstag der Evangelischen) vor Gottes heiligem Angesicht und einer christlichen Gemeinde, sich durch den Diener Gottes Worts, ehelich copulieren und bestätigen zu lassen, so ist deswegen ihr und unser demütig und freundlich Bitt, ihr sollt auf diesen Tag an dieser ehrenden Hochzeit erscheinen, die Morgensuppe in des Herrn Hochzeiters oder Jungfer Hochzeiterin Haus einnehmen, danach den christlichen Kirchgang helfen zieren und vollführen, auch bei der Predigt Gott den Allmächtigen bitten und (an)rufen, dass er ihnen geben wolle einen guten Anfang, gesegnetes Mittel und seliges End.

Nach beendigter Predigt göttlichen Worte, Copulierungsbestätigung heiliger Ehe. Wiederum kehren in das Wirtshaus zum Adler und allda bei ankommender Hochehrengesellschaft und Compagnie, essen, trinken und lustig sein. Wie uns denn solches beschehen, so tut sich dann ehrengedachter Hochzeiter und Hochzeiterin zum freundlichsten Bedenken... Sie versprechen zu gegebener Zeit auch den Famiien wieder die schuldige Ehre zu erweisen... und bitten desowegen, sie wöllen uns bestens gewünscht sein."

 

Der Werber ging mit dem Hochzeitsrodel von Haus zu Haus und lud die Gäste nach einer vorbestimmten Tischordnung ein. Es gab den Tisch den Hochzeiters, den Tisch der Hochzeiterin und weitere Tische, getrennt nach Männern und Frauen.

 

An Hochzeiten galt eine vorbestimmten Tischordnung. Es gab den Tisch den Hochzeiters, den Tisch der Hochzeiterin und weitere Tische, getrennt nach Männern und Frauen.

Mit dem Adlerwirt wurde die Verpflegung der Gäste abgemacht. An den beiden Ehrentafeln wurde am meisten ausgegeben. Für die nächstfolgenden Tische war weniger Geld zur Verfügung. Spielleute und Dienstpersonal wurden an der Theke bedient. - Wie schwierig mag es wohl gewesen sein, die Gäste nach der Sozialstruktur richtig zu setzen...!

 

dieses Fresko am Adler zeigt genau so eine Hochzeitsgesellschaft
dieses Fresko am Adler zeigt genau so eine Hochzeitsgesellschaft

 

Die Kinder bekamen den Vornamen des Vaters. Hiess der Vater Hans Dietrich, so hiessen die Söhne Hans Dietrich, Hans Jakob, Hans Georg. Auch die Zweitnamen blieben in den Familien. Wenn ein Knabe starb, bekam der nächste, der auf die Welt kam, seinen Namen. So kommt der Name Hans Dietrich über Hunderte von Jahren in der Familie Seiler vor.

Da viele Frauen im Kindbett starben, wie überhaupt viele heute als harmlos geltende Krankheiten tödlich verliefen, heiratete man mehrmals. Wenn schon erwachsene Söhne vorhanden sind, ist es oft schwierig herauszufinden, ob der Vater oder der Sohn heiratet.

 

 

Die Umsägerin lud zur Beerdigung ein. Gleich wie bei den Hochzeiten hatte sie eine vorgeschriebene Rede zu halten. Als Umsägerinen wurden arme Frauen geschickt. Es war Sitte, der Umsägerin ein kleines Geschenk zu geben. So kam sie an diesem Tag auf einen rechten Lohn.

Alte Geschlechter Triboltingens


Das Bürgerregister gibt interessanten Aufschluss über die verbürgerten alten Geschlechter Triboltingens. Das Register von 1688 weist folgende Namen auf:

  • Franz Peter Pfister, Ammann
  • Ulrich Seiler, Lehrer
  • Abraham Felber
  • Josua Seiler, Lehrer
  • Konrad Felber, Schuhmacher
  • Johann Germann
  • Jakob Öhninger, Müller
  • Lienhard Germann
  • Konrad Giger, jung
  • Ulrich Felber
  • Konrad Felber, Bürgermeister
  • Hans Felber, jung
  • Abraham Kunz
  • Konrad Felber, Weber
  • Hans Konrad Seiler
  • Hans Konrad Künzler
  • Konrad Völki
  • Konrad Sauter
  • Georg Gilg
  • Hans Kunz
  • Lienhard Gensler
  • Lienhard Seiler
  • Johann Sigrist
  • Josua Seiler
  • Ulrich Germann
  • Konrad Giger, Weibel
  • Andreas Kunz
  • Johann Spiry

Einige dieser Familien führten ein Wappen, die am Dachreiter der Kapelle zu finden sind. Es sind dies:


Das Wappen von Trüboldingen


Auch das Wappen der Gemeinde ist aus alter Zeit erhalten. Zum ersten Mal taucht es auf der Wappenscheibe des Carl Spengler im Jahre 1596 auf. Eine Kopie davon hängt in der Post.

 

Aus dem Jahre 1838 findet sich ein Dokument im Archiv mit nur einer Traube im Wappen:


Eine reformierte Schule 1780


"Demnach bei einer ehrsamen Gemeind Triboltingen wahrgenommen worden, wie dass es sehr heilsam und gut wäre, eine eigene Schule allda aufzurichten, dieweil es Winterszeit und bei schlechter Witterung für junge Schüler sehr beschwerlich wäre, selbige nach Ermatingen oder Gottlieben zu schicken. Also haben wir, Ammann und Bürgermeister, nicht ermangelt und uns im Namen einer reformierten Gemeinde in untertänigster Bitte an unsere hochgeachtete, hochgelehrte ehrenwürdige Examinatoren in Zürich gewendet, dass uns von ihnen möge eine eigene Schule begünstigt werden. Zu allen Zeiten, wenigstens von dem Herbst bis gegen Ostern."

 

Das bestehende Armengut wurde in Verhältnis 2 (Evangelische) zu 1 (Katholische) geteilt und es entstand eine evangelische Schule.

"1780, den 17. Hornung, war allhier zu Triboltingen eine reformierte Gemeind gehalten worden, in betreff einer neuen Schule zu bestätigen. Also war durch den ehrwürdigen Herr Pfarrer Stäger von Ermatingen der Schulmeister in Gegenwart deren Vorgesetzten examiniert, hernach vor eine ehrsame Gemeinde gestellt und benamset worden zu einem Schulmeister, Hs Ulr Germann, Bürger von hier."

 

In der damaligen Zeit war die Schule eine Sache der Bürgergemeinde. Die Kontrolle übte die Kirche aus, und da der Thurgau zum Kapitel Zürich gehörte, wurde die Bewilligung durch Zürich erteilt.

1833, mit der Eröffnung des Lehrerseminars, übernahm der Staat immer mehr die Kontrolle über die Schule. Von dieser Zeit an sind auch die Protokolle der Schulgemeinde zu finden.

Anfänglich wollte man den Lehrer von den Zinsen des Schulgutes bezahlen. Es war üblich, dass der Lehrer einen Nebenerwerb ausübte. Der Lehrer war sehr auf das Erscheinen der Schüler angewiesen. Die Eltern hatten für jedes Kind, das sie in die Schule schickten, einen Wochenlohn zu zahlen.

Die Begüterten zahlten 3xr, die anderen 2xr. Den Rest der Besoldung erhielt der Lehrer von der Bürgergemeinde.

1840 beschlossen die Bürger, den Bau eines neuen Schulhauses vorzunehmen:

"Es gereicht mir zu angenehmen Pflicht, Ihrer Behörde auftragsgemäss mitzuteilen, dass die Schulgemeinde Triboltingen beschlossen hat, den Bau eines neuen Schulhauses beförderlich zu beginnen. Damit der Bau im nächsten Frühjahr begonnen werden könne, wurden Herr Germann und Herr Riby gewählt. Mit den Katholiken wurde ein Abkommen getroffen."

Nach dieser Eintragung ist das Schulhaus 1843 gebaut worden. Mit der Wahl von Lehrer Roost im Jahre 1846 wurde die Schulzeit von 34 auf 40 Wochen erhöht. In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde vom Erziehungsdepartement die Errichtung von paritätischen Freischulen angestrebt. Freischulen sind Schulen im heutigen Sinne; das heisst, alle Bürger müssen Schulsteuern entrichten. die konfessionelle Trennung sollte entfallen.

Diese 2 Forderungen stiessen meist auf erbitterten Widerstand. 1860 wurde in Triboltingen die Freischule eröffnet.


(hier endet die Chronik von Arnold Bosshard)

Zusammenschluss mit Ermatingen zur Einheitsgemeinde 1975